Center for Global Studies Bonn

CGS-Analysen

CGS-spezial-Reihe: Analysen zur globalen Politik des Internets

26.02.2015 | Autor: Maximilian Mayer

Nicht erst seit den Enthüllungen durch Edward Snowden sind die politischen Dimensionen des Internets sehr deutlich geworden. Bei den weitverzweigten Kommunikationsnetzwerken handelt es sich nicht um bloße technische Strukturen. Die Evolution des globalen Internets hat hingegen, so argumentieren viele Experten, revolutionäre Auswirkungen auf individueller Ebene, für einzelne Nationalstaaten, sowie aus globaler Sicht. Neben der nationalen Sicherheit, die nun unweigerlich um eine Cyber-Dimensionerweitert worden ist, und den machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen großen Internetfirmen und Regierungsbehörden, ist auch unsere persönliche Lebenswelt vor allem im Bezug auf Privatsphäre, Freiheitsrechte und Datensicherheit stark betroffen. In analytischer Hinsicht sind digitale Kommunikations- und Vernetzungstechnologien aber zunächst als prinzipiell neutral zu verstehen.

Eine technik-deterministische Sichtweise, die dem Internet selbst gewissermaßen als technischem Akteur oder Faktor unmittelbare Wirkungsmacht zuschreibt, ergibt keinen Sinn. Die Vorstellung, dass das Internet „an sich“ geschichtliche Entwicklungen beeinflussen kann ist irreführend. Stattdessen ist erstens immer die Aneignung oder Nutzung von Technologien durch menschliche Akteure entscheidend. Zweitens kommt es zudem zur Entstehung von neuen technologischen Netzwerken, die Handlungsoptionen verändern, neue Identitäten ermöglichen können oder zugleich Objekt und Träger kollektiver Zukunftsvisionen bilden. Das Internet bliebt mit anderen Worten kontingent. Digitale Medien und das Internet können einerseits zu äußerst effektiven Instrumenten im Dienste autoritärer Regime werden oder andererseits zu geschätzten Kommunikations- und Vernetzungsmitteln beim Kampf um politische Freiheitsgrade wie etwa während des Arabischen Frühlings.

Diese komplexen Zusammenhänge machen das Internet zu einer großen Herausforderung für die sozialwissenschaftliche Analyse. Kurz gesagt ist inzwischen deutlich geworden, dass das Internet keine unpolitisches Artefakt, keine ‚technische’ Zone mehr ist. Die nachfolgenden Studien haben die gemeinsame Annahme zum Ausgangspunkt, dass das globale Internet eine techno-politische Arena darstellt, in der unterschiedlichste politische Auseinandersetzungen, Gefahrenpotentiale und Chancen für gesellschaftliche und ökonomische Weiterentwicklung nebeneinander existieren und sich wechselseitig bedingen. Die Untersuchungen in dieser CGS-spezial-Reihe sind im Rahmen eines Master-Seminars im Sommersemester 2014 entstanden und präsentieren Forschungsergebnisse, die relevant für die öffentliche Debatte sind. Sie behandeln zugrunde liegende Fragestellungen der globalen Politik des Internets – praktischer und theoretischer Natur – in einer ausgewogen Mischung von kritischer Analyse und argumentativer Stellungnahme, verständlich formuliert für eine breite Öffentlichkeit.

Die interessierte Leserin kann die folgenden Einzelthemen, die von Entstehen von Cyber-Macht über Cyber-Kriege und digitalen Transformation autoritärer Regime bis hin zur internationalen Regulation des Internets und der Zukunft des Rechtsstaats reichen, für sich genommen lesen oder als Komplex zusammenhängender Untersuchungen. Es wird jeweils weiterführende Literatur am Ende der Beiträge vorgeschlagen.

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2015